... nach dem 7. Spieltag d. 1. Frauenbundesliga - Rückblicke & Ausblicke Teil 2
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VON CHRISTOPH KARPE, 22.02.10, 21:59h, aktualisiert 22.02.10, 22:01h
LEIPZIG/MZ. Ildiko Madl fühlte sich unwohl. Sie beschlich gerade das Gefühl, dass die Partie an diesem Sonntag-Mittag kein gutes Ende für sie nehmen würde. Diese Olga Alexandrowa, die ihr da am Schachbrett gegenübersaß, hatte sich in eine verheißungsvolle Position manövriert. Plötzlich die erleichternde Wende: Die für das Team aus Großlehna spielende Russin bot ihr dennoch das Remis an. Also stand sie auf, ging auf Jürgen Luther zu und überbrachte ihm die vermeintlich gute Kunde.
Der Leiter ihrer Schachmannschaft vom USV Volksbank Halle schaute Madl tief in die Augen und flüsterte ihr ins Ohr: "Spiel weiter, bitte!" Die Ungarin stutzte nur kurz, befolgte dann die Order, die ihr eigentlich so gar nicht passte, ohne zu murren und marschierte tapfer zurück an ihren Platz. Sie wusste in diesem Moment durch Luther: Der geschenkte halbe Punkt würde nicht reichen, um den Gesamtsieg beim SK Großlehna zu sichern. Ein voller Zähler musste her, unbedingt.
Denn an den anderen fünf Brettern rangen die USV-Kolleginnen hart gegen ihre in der Weltrangliste zumeist besser platzierten Kontrahentinnen. Tatjana Kononenko und Anna Sharevich quälten sich durch zähe wie gefährliche Turm-Endspiele. Natalia Straub konnte in akuter Zeitnot maximal noch auf eine Punkteteilung hoffen. Nikoletta Lakos stand auf verlorenem Posten. Nur Tatjana Melamed gewann.
"Ildiko Madl musste einfach weiter machen", sagte Luther, der über Wohl und Wehe zu entscheiden hat. "Und dann", erinnert er sich, "hat sie angefangen zu zaubern." Madl drehte die Partie, siegte und weil auch das in Not befindliche Trio dann doch noch seine Unentschieden hielt - Sharevich spielte dafür 100 Züge - gewann Halle den Vergleich letztlich 3,5:2,5. Die Frauen fielen sich allesamt überglücklich in die Arme und Jürgen Luther jubelte: "Jetzt sind unsere Titelchancen intakt."
Ein Grund dafür war auch, dass am Vortag das Duell mit Leipzig-Gohlis 4,5:1,5 gewonnen worden war. "Im Vorjahr hatten wir dort noch verloren. Das hat uns damals richtig wehgetan. Bei einem anderen Ausgang hätten wir am Ende der letzten Saison sicherlich mehr als den geteilten dritten Rang erreichen können", so Luther nach der geglückten Revanche.
Die Hallenserinnen sind nun Zweiter der Bundesliga-Tabelle hinter dem Team aus Baden-Baden. Und dort kommt es in drei Wochen zum Showdown, der über die Meisterschaft entscheidet. "Wenn wir da gewinnen, kann eigentlich nichts mehr schief gehen", blickte Luther voraus. Sein Vertrauen in das Team ist gewachsen. Was nicht verwundert angesichts des zähen Ehrgeizes seiner Spielerinnen.